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Harninkontinenz

Beschreibung

Die International Continence Society bezeichnet als Harninkontinenz jeden Zustand mit unwillkürlichem Urinverlust, der ein soziales oder hygienisches Problem darstellt. Harninkontinenz kann in folgende Formen eingeteilt werden:

  • Belastungsinkontinenz: unwillkürlicher Urinverlust bei körperlicher Belastung, Husten oder Niesen
  • Dranginkontinenz: unwillkürlicher Urinverlust in Kombination mit Drangempfinden
  • Mischinkontinenz: unwillkürlicher Urinverlust bei körperlicher Belastung, Husten, Niesen in Kombination mit einer Drangsymptomatik
  • Nächtliche Enuresis: jeglicher Urinabgang während des Schlafes
  • Neurogene Inkontinenz: eine neurologische Grunderkrankung führt zu einer Fehlfunktion der Harnblase in der Speicher- und/oder der Entleerungsphase
  • Extraurethrale Inkontinenz: kontinuierlicher Urinverlust beispielswesie durch eine Harnblasen-Scheiden-Fistel oder Harnleiter-Scheiden-Fistel

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Ursachen

Die Ursache für eine Harninkontinenz kann eine Störung in den beteiligten Funktionsbereichen sein - im koordinierenden Nervensystem, der Blasenmuskulatur und dem Verschlusssystem der Blase. Besonders wichtig für letzteres ist ein straffer Beckenboden, der den Schließmuskel der Blase unterstützt. Schwangerschaften und Geburten, körperliche Belastung, aber auch Übergewicht können dazu führen, dass der Beckenboden erschlafft. Auch der Mangel des weiblichen Sexualhormons Östrogen in und nach den Wechseljahren kann zu einem Elastizitätsverlust des Gewebes führen. Häufige Harnwegswegsinfekte können ebenfalls Grund für eine Inkontinenz sein. Eine Prostatavergrößerung kann bei Männern wiederum eine Blasenschwäche mit unterschiedlicher Symptomatik zur Folge haben.

Harninkontinenz betrifft Kinder ebenso wie Erwachsene, wobei Frauen dreimal häufiger und oft schon in jüngeren Jahren Probleme mit der Blase haben. Wissenschaftlich belegt ist eine Häufung der Harninkontinenz mit zunehmendem Alter. Eine besonderer Häufung tritt mit 50 Prozent bei Frauen in Pflegeeinrichtungen auf.

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Diagnose

Zur Abklärung unwillkürlicher Urinverluste werden zunächst die allgemeine Krankengeschichte erhoben, die genauen Symptome erfragt und eine allgemeine körperliche Untersuchung durchgeführt. Eine Urinanalyse und ein Miktions- und Trinkprotokoll (Erhebung von Trinkmengen, Urinmengen, Anzahl und Zeiten der Toilettengänge, Zeiten und Situationen mit Urinverlust und Vorlagenverbrauch) und die Bestimmung des nach dem Wasserlassen in der Harnblase verbleibenden Restharns runden die Basisuntersuchungen ab.

Untersuchungen ohne Geräte, wie Erhebungsbögen zur Lebensqualität, Vorlagenverbrauchsteste, eine neurologische Untersuchung und bei Frauen auch eine vaginale Untersuchung helfen dem Urologen, die Art der Harninkontinenz weiter einzugrenzen und die Beeinträchtigung der Betroffenen zu beurteilen.

Abhängig von der Beurteilung durch den Urologen sollten sich einige Patienten auch apparativen Untersuchungen unterziehen: Sonographie (Ultraschall), Nierenfunktionstests, Uroflowmetrie (Harnstahlmessung), Urodynamik (Messung der Blasenfunktion), Endoskopie (Harnröhren- und Harnblasenspiegelung) und Röntgenuntersuchungen des Harntraktes ermöglichen auch bei komplexen Störungen eine sehr genaue Diagnose, die für eine individuelle Therapie Grundvoraussetzung ist. Die Untersuchungen werden als Stufendiagnostik durchgeführt, es werden also nur die erforderlichen Untersuchungen in geeigneter Reihenfolge durchgeführt.

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Therapie

Zur Behandlung der Harninkontinenz steht eine breite Palette an Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die mit der Form, der Ursache und der Ausprägung der Harninkontinenz variieren. Grundsätzlich sollten die Therapieverfahren analog der Diagnostik stufenweise angewandt werden: Konservative Maßnahmen sollten dabei operativen Eingriffen vorgezogen werden. In unserer Klinik werden folgende Therapiemöglichkeiten angeboten:

Behandlung der Belastungsinkontinenz

Zunächst werden die nichtoperativen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft. Hierzu zählen neben Anpassungen der Lebensgewohnheiten (Reduzierung des Körpergewichts, Regulierung der Trinkgewohnheiten, regelmäßige Toilettengänge, Anpassung der körperlichen Belastung, Regulierung des Stuhlgangs) vor allem physiotherapeutische Ansätze (Beckenbodenschulung und -training, Elektrostimulationsbehandlung). Medikamentös kann bei Frauen ein lokaler Östrogenmangel durch eine Behandlung mit östrogenhaltigen Cremes sinnvoll sein. Ein Teil der Patienten profitiert von einer Behandlung mit dem Medikament Duloxetin. Bei Patienten mit ausgeprägter Harnbelastungsinkontinenz kann eine operative Versorgung notwendig sein. Individuell wird dann entschieden, Bandimplantationen, Scheidenplastiken und Netzimplantationen zur Korrektur bei Blasensenkung oder die Implantation einer künstlicher Schließmuskelprothese durchgeführt wird.

Behandlung der Dranginkontinenz und der Mischinkontinenzformen

Zunächst wird durch Medikamente die überaktive Blase gedämpft und so die Harninkontinenz verbessert. Zusätzlich sollten die dargestellten Allgemeinmaßnahmen die medikamentöse Behandlung begleiten. Ein Teil der Patienten profitiert von einem zusätzlichen operativen Verfahren, beispielsweise durch eine Bandimplantation bei gemischter Belastungs- und Dranginkontinenz. Einige Patienten vertragen die eingesetzten Medikamente nicht vertragen oder die Wirkstoffe zeigen keine Wirkung. Hier kann die Injektionsbehandlung der Harnblase mit Botulinumtoxin (Botox) Linderung bringen.

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Prognose

In über 80 Prozent der Fälle kann die Harninkontinenz mit der geeigneten Behandlung so verbessert werden, dass eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität erreicht wird. Bedingung ist die richtige Behandlung mit dem geeigneten Verfahren, was eine genaue Diagnostik durch einen Urologen mit guten Kenntnissen der Inkontinenzdiagnostik und -Behandlung voraussetzt.

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Folgeerscheinungen und Komplikationen

Unbehandelt führt die Harninkontinenz oft zu hygienischen Problemen sowie zu sozialer Isolation und Depressionen. Scheuen Sie aus Angst oder Scham nicht den Weg zum Urologen, um sich untersuchen und beraten zu lassen.

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Stand vom: 21.12.2007 | Autor: Maik Johnke

http://www.bundeswehrkrankenhaus-hamburg.de/portal/a/hamburg/patienten/medguide%3Fyw_contentURL=%2F01DB081000000001%2FW27A4BPP934INFODE%2Fcontent.jsp